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Rosalinde als Romanheldin in der 12000-Seelen-Gemeinde..
Autorin aus Peiting schrieb ein Buch über die berühmte Moorleiche
In der 12 000-Seelen-Gemeinde Peiting in Oberbayern weiß jedes Kind, dass dort im Moor einst eine Leiche ausgegraben wurde, die jetzt in Neumünster im Textilmuseum liegt. Angela Dopfer-Werner war auch ein Peitinger Kind und damals schon fasziniert. Jetzt hat sie ein Buch über die berühmte Leiche geschrieben. "Mir persönlich ist es egal, ob die Leiche den Peitingern oder den Neumünsteranern gehört. Aber seit meiner Kindheit wusste ich, dass ich mal etwas über diesen mysteriösen Fund schreiben würde", sagte Angela Dopfer-Werner (45). Auch sie pilgerte 1987 in die Peitinger Krypta, als Rosalinde als Leihgabe aus Neumünster gekommen war (siehe Artikel unten).
Angela Dopfer-Werner ist Sozialpädagogin und betreibt mit ihrem Mann drei Boutiquen in Peiting und Schongau. Mit dem historischen Roman "Mein Name ist Afra" legt sie ihr Erstlingswerk vor. Drei Jahre hat sie dafür recherchiert, anderthalb Jahre daran geschrieben.
Wie hat sie gelebt, wie ist sie gestorben?
Darin beschreibt sie das Leben zweier Frauen im Oberbayern des zehnten Jahrhunderts. Die Orte sind alle genau recherchiert. Der Roman dreht sich um den Alltag der Bauern, um Liebe und um die Macht von Kirche und Adel. "Die Persönlichkeit von Richlint, der späteren Moorleiche, habe ich erfunden und in die Geschichte eingebunden", sagte die Autorin zum Courier. Zwei Hauptfragen werden beantwortet: Wie hat sie gelebt und vor allem: Wie ist sie gestorben? Die wirkliche Todesursache ist nicht bekannt, aber in dem Buch bietet Angela Dopfer-Werner eine Version an. Auf welche gruselige Weise die Autorin ihre Romanheldin sterben lässt, will sie nicht vorab verraten.
"Mein Name ist Afra" erscheint am 5. September im Verlag Herbig, München.
(ISBN: 3-7766-2185-0). Mehr Infos im Internet: www.mein-name-ist-afra.de
Moorleiche mit Urlaubsschein
Rückblick auf einen Kulturkampf zwischen Neumünster und Peiting in Oberbayern
Rosalinde, die Moorleiche, ruht seit 1962 in einem Glassarg im Textilmuseum. Ihre Geschichte ist abenteuerlich. 1957 stoßen Torfarbeiter im Moor bei Peiting/Oberbayern auf einen Sarg. Darin befindet sich eine Leiche, an der Kleiderreste zu erkennen sind. Das Landesamt für Denkmalpflege in Bayern überträgt Dr. Ullemeyer vom Textilmuseum Neumünster die Bergung, Konservierung und wissenschaftliche Bearbeitung, weil er ein großer Experte auf diesem Gebiet ist. In einer Blitzaktion wird der Sarg aus Kieferbohlen nach Schleswig-Holstein transportiert. Die Tote, eine Frau mit Schaftstiefeln, ist durch das Moor sehr gut konserviert. Untersuchungen ergeben, dass sie etwa 25 Jahre alt war und kurz vor ihrem Tod ein Kind geboren hat. Datiert wird sie in das 12. Jahrhundert.
30 Jahre ruht die Moorleiche in Frieden, bis die Gemeinde Peiting sie 1987 zum 550. Geburtstag zurückfordert, um sie im Schongauer Heimatmuseum auszustellen. Es kommt zu einem Rechtsstreit. Bürgermeister Klement Sesar aus Peiting reist nach Neumünster und erklärt das Begehren seiner Landsleute.
Wenn schon nicht für immer, dann zumindest als Leihgabe beansprucht Peiting die alte Dame. Die Kulturdezernentin Helga Hein widersetzt sich energisch und sagt: "Zuerst bringen sie sie um, und dann soll sie als Lustobjekt herhalten." Es geht ein Rauschen durch den Blätterwald – von "Bild" bis "Schongauer Nachrichten". Die Presseerklärung der Stadt liest sich so: "Die Moorleiche ist Teil einer Ausstellungseinheit. Wenn sie aus der zusammenhängenden Schau gerissen wird, wäre sie lediglich ein Objekt, das aus Sensationslust zur Schau gestellt würde."
Briefe gehen hin und her. Dann kündigt Oberbürgermeister Dr. Uwe Harder die Reise der alten Dame nach Peiting an. Der Magistrat erteilt ihr einen Urlaubsschein und hofft damit, "die Verbindung zwischen dem bajuwarischen und schleswig-holsteinischen Volksstamm enger zu knüpfen". Beschützt von Bodyguards, begleitet von einer Delegation aus dem Rathaus, von Presse und TV, wird Rosalinde nach Bayern transportiert und in der Krypta der Pfarrkirche aufgebahrt. 5000 Besucher defilieren an ihr vorüber. Bei dem Volksfest zur 550-Jahrfeier versöhnen sich die Politiker und Streithammel aus Neumünster und Peiting. Rosalinde kehrt am Ende unversehrt nach Neumünster zurück. (md)
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